Forschungsprofil

Unser Forschungsprofil

Am Lehrstuhl für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Educational Governance und Educational Change untersuchen wir, wie Stabilität und Wandel im Schulsystem entstehen. Beides verstehen wir als Ergebnis fortlaufender Aushandlungsprozesse, in denen Akteure des schulischen Mehrebenensystems – etwa Schulen, Schulaufsicht, Schulträger und Unterstützungssysteme – Bedeutungen, Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten immer wieder neu bestimmen und dabei bestätigen oder verschieben. Formale Rahmensetzungen, Programme und rechtliche Vorgaben strukturieren diese Aushandlungen — vollzogen werden sie jedoch in alltäglichen, routinisierten und zugleich wandelbaren Praktiken des Unterrichtens, Leitens, Beratens und Beaufsichtigens. Schule und Schulsystem werden daher als verhandelte Ordnung verstanden, deren Wandel sich nicht linear steuern lässt, sondern die im Zusammenspiel von formalen Vorgaben, historischen Entwicklungspfaden, expliziten Diskurspositionen und impliziten Orientierungen hervorgebracht wird. Was als Qualität, als Defizit oder als legitime Praxis gilt, wird somit situativ von den Akteuren konstituiert, ist umkämpft und bleibt prinzipiell veränderbar.

Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf Schulen, die in strukturell benachteiligten Sozialräumen arbeiten und zudem als „herausgefordert“ adressiert werden. Wir fragen danach, wie Bildungsungleichheit, Bilder von Benachteiligung und Vorstellungen schulischer Normalität in Diskursen und Wissensordnungen hervorgebracht und im Vollzug alltäglicher Praktiken und in Artefakten des Mehrebenensystems (re-)produziert werden. Zugleich untersuchen wir, ob und wie kontextsensible und kritische Schul(system)entwicklungsforschung diese Ungleichheitsordnungen nicht nur aufdecken, sondern auch Verhandlungsräume sichtbar und gestaltbar machen kann, um sie zu verschieben.

Die Analyse dieser Diskurse und Praktiken ist zugleich Ausgangspunkt einer normativen Perspektive. Gerechtigkeitstheorien bieten uns dabei Orientierungspunkte. Professionstheorien, die internationale Educational-Change- und Continuous-Learning-Forschung und organisationspädagogische Bezüge ergänzen diese um ein Verständnis gelingenden pädagogischen Handelns, vor dessen Hintergrund wir praktische Vollzüge im Bildungssystem kritisch befragen und Anknüpfungspunkte für Wandel sichtbar machen.

In unseren Projekten gestalten und beforschen wir Wissenschaft, Schulpraxis und Bildungsadministration in Entwicklungsprozessen häufig gemeinsam in längerfristigen Partnerschaften. Forschungswissen wird dabei nicht als unmittelbar transferier- oder implementierbar verstanden, sondern als Wissensform, die im konkreten Handeln übersetzt, angeeignet und dabei selbst transformiert wird. Diese Partnerschaften eröffnen uns einen empirischen Zugang zu alltäglichen Relationierungs- und Aushandlungssituationen im Mehrebenensystem — etwa zu Abstimmungen zwischen Schulaufsicht, Schulträger und Einzelschule —, die im deutschsprachigen Raum bislang kaum beschrieben sind. Aktuelle Forschungsprojekte widmen sich der professionellen Entwicklung von Schulentwicklungsberatungen, der akteursübergreifenden Arbeit in Schulfamilien sowie der international vernetzten konzeptuellen Weiterentwicklung designbasierter Schul(system)entwicklung. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung des Startchancen-Programms nehmen wir darüber hinaus die Governance-Strukturen der Länder in den Blick. Mit dem Metavorhaben „Meta_Struktur“ untersuchen wir die Organisationsentwicklung von Schulträgern im digitalen Wandel projektübergreifend und gewinnen so zudem Einblicke in die Relationierung von Wissenschaft und Praxis.

Methodisch verbinden die Forschungs- und Qualifikationsarbeiten unterschiedliche Zugänge. Rekonstruktive Verfahren erschließen implizite Wissensbestände und Handlungsroutinen, in denen sich soziale Ordnungen und Modi ihrer Bearbeitung konstituieren. Situationsanalysen sowie qualitative und quantitative Netzwerkanalysen machen Akteurskonstellationen und Aushandlungsarenen im Mehrebenensystem empirisch zugänglich. Rechtsanalysen nehmen die rechtlichen Rahmungen in den Blick, die schulisches und administratives Handeln strukturieren. Mit diesem Spektrum versuchen wir, auch Felder zu untersuchen, die in ihrer Komplexität bislang kaum empirisch beschrieben sind.

In der Lehre verantwortet der Lehrstuhl Angebote der Schulpädagogik im erziehungswissenschaftlichen Studium der Lehrkräftebildung. Mit internationalen Austauschformaten wie den EdGov-Dialogues, einem interdisziplinären Forschungskolloquium und einem Lektürekreis schaffen wir zudem Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven auf Bildung, Schule und Wandel ins Gespräch gebracht werden.



Forschungsschwerpunkte & aktuelle Forschungsprojekte

  • Wandel und Persistenz im Schulsystem
  • Educational Governance im Mehrebenensystem
  • Bildungsungleichheit und strukturell benachteiligte Schulen
  • Kritische Schul(system)entwicklungsforschung
  • Forschungs-Praxis-Partnerschaften
  • Rekonstruktive Methoden, Netzwerkanalyse, Situationsanalyse


2025

  • Meta_Struktur: Meta_Struktur: Metaforschung zu OE_Struktur.


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. Dezember 2025 - 31. März 2029
    Acronym: Meta_Struktur
    Funding source: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)

    Die wissenschaftliche Begleitung bietet eine forschende Metaperspektive auf die Projekte im Rahmen der

    „Richtlinie zur Förderung der Begleitung von Schulträgern bei Organisationsentwicklungsprozessen zum digitalen Wandel in der Bildung (OE_Struktur)“.

    Innerhalb der beiden Schwerpunkte– (1) Organisationsentwicklung und (2) transferbezogene Aktivitäten – verfolgt das Meta-Vorhaben folgende Ziele:

    (1) Die Unterstützung durch die Projekte als Beitrag zur Organisationsentwicklung der Schulträger (Praxispartner) im digitalen Wandel der Bildung zu untersuchen, zu verstehen und zu beschreiben. Im Zentrum des wissenschaftlichen Forschungsinteresses stehen dabei projektübergreifende Phänomene im Kontext der Kommunikations- und Kooperationspraxis zwischen Projektmitarbeitenden und Praxispartnern sowie über die Projekte hinweg. Die Komplexität der Erhebungssituationen und Akteurskonstellationen sowie der Fokus auf die projektübergreifenden Phänomene lassen die Situationsanalyse (im Rückgriff auf die Grounded-Theory-Methodologie) als geeignete Forschungspraxis für das Meta-Vorhaben erscheinen.

    Ein weiteres Ziel der Meta-Forschung besteht darin, (2) die projektübergreifenden Aktivitäten der Vernetzung und Wissensweitergabe anzuregen sowie Skalierung und Nachhaltigkeit auf Seiten der Schulträger zu skizzieren. Im Verlauf des Projekts sollen alle Beteiligten die Möglichkeit haben, im Rahmen von Workshops auf Basis erster Forschungsergebnisse Vernetzung und Wissensweitergabe über die konkrete Praxis hinaus zu reflektieren. Im Kontext von Reflexionsgesprächen mit den Projektpartnern sollen zudem Erkenntnisse zu Skalierung und Nachhaltigkeit gewonnen werden.

    Das Meta-Vorhaben verbindet die Perspektiven der Förderrichtlinie, der im Rahmen der Richtlinie entwickelten Projekte und der Praxispartner, um die Fragestellungen zur Organisationsentwicklung und zum Transfer der Schulträger als relevanten Partnern in der digitalen Transformation des Bildungsbereichs zu beantworten.

2024

  • DBSE-DesignLab: DBSE-DesignLab – mit Fokus auf designbasierte Schulentwicklungsbegleitung


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. Mai 2024 - 31. Mai 2027
    Acronym: DBSE-DesignLab
    Funding source: Robert Bosch Stiftung GmbH
    Das DBSE-Verfahren als Lern- und Entwicklungsprozess:

    Das von Prof. Dr. Rick Mintrop (University of California, Berkeley) entwickelte und international bewährte Verfahren der designbasierten Schulentwicklung (DBSE) ist darauf angelegt, die kollektive Problemlösekompetenz von Akteuren im Schulsystem zu stärken, sodass die knappen Ressourcen und Energien für Entwicklung im System bestmöglich genutzt und kohärent eingesetzt werden. Im Fokus stehen dabei einerseits die Erprobung und Weiterentwicklung von Problemlösestrategien und andererseits das individuelle und kollektive Lernen aller Prozessbeteiligten.

    Dieser Entwicklungs- und Lernprozess ist dabei durch die DBSE-Logik strukturiert, die im Kern eine sorgsame Problem- und Ursachenanalyse, die Entwicklung von machbaren Lösungsansätzen sowie das praktische Erproben und eine datenorientierte Weiterentwicklung umfasst. Um eine nachhaltige Veränderung im Sinne eines tiefergehenden Lernens zu ermöglichen, wird der Entwicklungsprozess durch lern- und professionstheoretisch fundierte Reflexionsformate unterstützt. So sollen auch in Kollegien, in der die Hoffnung auf positive Entwicklung verloren gegangen ist, erfolgreiche Entwicklungsschritte schnell sichtbar werden und die Freude an Schulentwicklung schrittweise zurückgewonnen werden.

     

    Schulentwicklungsberatung als Projektfokus:

    Das Berliner Projekt der SenBJF in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Nina Bremm (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) legt im aktuellen Projektzeitraum (2024-2027) den Fokus auf die Weiterentwicklung designbasierter Schulentwicklungsberatung und ist als Wissenschafts-Praxis-Partnerschaft (WPP) angelegt. Während Schulentwicklungsberatende des Berliner Unterstützungssystems (Fortbildung Berlin und proSchul), mit Unterstützung der jeweiligen Schulaufsichten, ausgewählte Schulen in der DBSE-Logik begleiten, liefern prozessbegleitende evidenzbasierte Rückmeldungen und Design-Vorschläge der Wissenschaft Impulse für die Reflexion und Weiterentwicklung der Beratungspraxis. Grundlage dafür bieten Analysen von Audiographien aus Beratungssettings zwischen Schulen und Schulentwicklungsbegleitung und fortlaufende Reflexionsgespräche, die im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Fallkonferenzen gemeinsam von Wissenschaft und Praxis diskutiert und reflektiert werden.

    Die Fokussierung auf Schulentwicklungsberatung liegt in den Ergebnissen aus der ersten Phase begründet: Hier wurde deutlich, dass nachhaltige Schulentwicklung und Lernen mit DBSE am besten gelingt, wenn ein durch die DBSE-Logik strukturierter Prozess, mithilfe einer Moderation und Beratung, Multiperspektivität sichtbar macht und gleichsam die Entwicklung tragfähiger gemeinsamer Lösungsansätze ermöglicht, die zügig in praktisches Ausprobieren münden. Dafür notwenige Formate, Impulse und Werkzeuge werden in diesem Folgeprojekt ko-konstruktiv (weiter)entwickelt, wobei bereits bestehende Lösungsansätze kontextspezifisch adaptiert oder weiterentwickelt werden. DBSE wird dabei als Ergänzung bestehender Beratungspraxis verstanden und soll insbesondere im Hinblick auf Anschlussfähigkeit für effektive Problemlösungsstrategien im deutschen Schulentwicklungskontext überprüft und weiterentwickelt werden.

     

    Rahmung in der Berliner Gesamtstrategie und den Basiskompetenzen:

    Die aktuelle Berliner Gesamtstrategie zur Bildungsqualität hat zum Ziel, die sprachlichen und mathematischen Kompetenzen der Berliner Schülerinnen und Schüler zu verbessern bzw. die Gruppe derjenigen, die die Mindeststandards verfehlen, zu verkleinern. Ebenso sollen emotional-soziale Kompetenzen gefördert werden. Die daraus resultierende inhaltliche Fokussierung wird als Rahmensetzung im DBSE-DesignLab aufgenommen. Erkenntnisse aus dem Projekt sollen in Empfehlungen für eine anschließende Übernahme in die Regelstrukturen des Berliner Unterstützungssystems überführt werden.

     
  • Promotionsprojekt: Schulaufsicht & Recht. Eine empirische Untersuchung zur Bedeutung rechtlicher Vorgaben für das professionelle Han-deln von Schulaufsichtsbeamt*innen als Akteure im Mehrebenensystem Schule [Arbeitstitel]


    (Projekt aus Eigenmitteln)
    Project leader:
    Term: 1. April 2024 - 30. April 2027
  • SCP: Wissenschaftliche Begleitung und Forschung für das Startchancen-Programm


    (Drittmittelfinanzierte Gruppenförderung – Gesamtprojekt)
    Project leader:
    Term: 1. Oktober 2024 - 31. Dezember 2034
    Acronym: SCP
    Funding source: BMFTR / Verbundprojekt
    URL: https://www.dipf.de/de/forschung/projekte/wissenschaftliche-begleitung-und-forschung-fuer-das-startchancen-programm#0

    Damit das Startchancen-Programm seine Ziele erreicht, will der Verbund die unterschiedlichen Wissensbestände und Handlungslogiken auf allen Ebenen des Bildungssystems aktivieren und Gelingensbedingungen sowie Beispiele guter Praxis identifizieren.

    Auf individueller Ebene trägt der Verbund dazu bei, die Bildungs- und Teilhabemöglichkeiten von sozioökonomisch benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu verbessern: Ressourcenorientierte Diagnosematerialien, adaptive Materialien und diversitätssensible Konzepte zur Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung werden zusammengestellt sowie gemeinsam mit den Akteur*innen im System evidenzbasiert und bedarfsorientiert weiter- bzw. neu entwickelt.

    Auf der institutionellen Ebene werden Schulen in struktureller Benachteiligung in ihrer datengestützten, leistungsförderlichen und diversitätssensiblen Schul- und Unterrichtentwicklung insbesondere in drei Dimensionen unterstützt: fachbezogen, überfachlich und in Bezug auf sozialraumbezogene, multiprofessionelle Organisationsentwicklung. Der Verbund bereitet in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen in den Ländern Konzepte und Materialien auf, verzahnt diese miteinander und berät sowie unterstützt die von den Ländern initiierten Netzwerke (d.h. Multiplizierende mit Expertise in Schulentwicklung oder fachbezogener Unterrichtsentwicklung Mathematik/Sprache).

    Auf der systemischen Ebene begleitet das Startchancen-Programm die Unterstützungssysteme und die Bildungsadministrationen in den Ländern dabei, verbindliche und konstruktive Kooperationsformate weiterzuentwickeln und umzusetzen. In enger Kooperation mit den zuständigen Instanzen von Bund und Ländern entwickelt der Verbund das Handlungswissen für eine wirksame, zunehmend stärkere Verzahnung aller Akteursebenen und schafft kohärente Strukturen.

2023

  • Promotionsprojekt: Neue Perspektiven für datengestützte Schulentwicklung. Potentiale offener und kollaborativer Gesprächssettings an der Schnittstelle von Schule, Administration und Evaluation [Arbeitstitel]


    (Projekt aus Eigenmitteln)
    Project leader:
    Term: 1. September 2023 - 30. September 2026
  • wir.lernen: Wissenschaftliche Wirkungsforschung „Wir.Lernen – Grundschulen in Baden-Württemberg sichern Basiskompetenzen“


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. April 2023 - 30. September 2026
    Acronym: wir.lernen
    Funding source: Robert Bosch Stiftung GmbH
    URL: https://www.bosch-stiftung.de/de/presse/2022/12/start-fuer-wirlernen-grundschulen-baden-wuerttemberg-sichern-basiskompetenzen

    Gegenstand der wissenschaftlichen Wirkungsforschung ist der erste Zyklus des Projekts „Wir.lernen – Grundschulen in Baden-Württemberg sichern Basiskompetenzen“ (Nov. 2022 – Juli 2025). In diesem Zeitraum erarbeiten bis zu sechs Schulnetzwerke bestehend aus jeweils sechs Schulen mit ihren Schulaufsichten Strategien zur Steigerung der pädagogischen Diagnosekompetenz und individuellen Förderung (an den Schulstandorten unterstützt durch die Lernstandsdiagnose-Software „quop“). Auf Schulebene werden die Netzwerkpartner:innen von Fachberatungen  dabei unterstützt, die in den Netzwerken erarbeiteten Konzepte an ihren Schulstandorten umzusetzen. Das Projektziel von “Wir.lernen” ist, mit Hilfe von gezielten Interventionen, die Basiskompetenzen der Schüler:innen in den teilnehmenden Schulen zu stärken. Die wissenschaftliche Wirkungsforschung zielt darauf ab, Professionalisierungsmaßnahmen, insbesondere die Netzwerkarbeit, mit Blick auf ihr Potenzial für die Weiterentwicklung und Steigerung diagnostischer Kompetenzen bei zentralen beteiligten Akteursgruppen nachzuzeichnen und Gelingensbedingungen sowie Stolpersteine im Prozess zu identifizieren. Zu diesem Zweck werden in einem multi-methodischen Design alle für die Zielerreichung des Projekts relevanten Ebenen und Akteure berücksichtigt (Schulaufsicht, Netzwerkteilnehmer:innen, Fachberatung, Trainer:innen und Lehrkräfte in den Einzelschulen).

2019

2024

  • TIC: Transfer- und Implementationshürden internationaler Schul- und Schulsystementwicklungsstrategien verstehen: Policy Borrowing zwischen Kanada und Deutschland


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader: ,
    Term: 1. August 2024 - 31. Januar 2025
    Acronym: TIC
    Funding source: Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (ab 10/2013)

    Bei unterdurchschnittlichem Abschneiden von deutschen Schüler:innen bei internationalen Leistungsvergleichsstudien (PISA, IGLU, etc.) wird der Blick nach Lösungen seitens bildungspolitischer Akteure häufig ins Ausland gerichtet. Vielfach ist gegenwärtig eine Orientierung an sog. internationalen Best-Practice-Beispielen zu beobachten. Die daraus resultierenden Gegenmaßnahmen sind von einer Interventions- und Implementationslogik dieser Best-Practice-Beispiele geprägt, die durch teils mäßige Erfolge zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit Implementationshürden geführt hat. Diese werden vor dem Hintergrund von Länderspezifika erklärt (Stichwort: Policy Borrowing). 

    Genau an dieser Stelle setzt das angestrebte internationale Forschungsvorhaben an und untersucht Enactmentprozesse am Beispiel der Policy "Family of Schools" in zwei kulturellen Kontexten (Kanada/ Deutschland). Hierdurch eröffnet sich ein analytischer Zugang zu kontextspezifischen Transfer- und Implementationshürden im Kontext des policy borrowing im internationalen Vergleich. 

    Ziel ist es, vor dem Hintergrund einer zunehmenden Entlehnung internationaler Policies in Wissenschaft und Bildungspolitik, differenziertes Wissen für eine kontextsensible Gestaltung von Entwicklungsstrategien für das deutsche und kanadischen Schulsystem zu fundieren. 

    Im nun beantragten Forschungsprojekt „Transfer- und Implementationshürden internationaler Schul- und Schulsystementwicklungsstrategien verstehen: Policy Borrowing zwischen Kanada und Deutschland" " zur Anbahnung internationaler Forschungskooperationen möchten wir die Governancestrukturen im kanadischen Kontext hinsichtlich des Ansatzes .Family of Schools" (North Vancouver School District., o. J.; Klopsch & Sliwka 2020) und "Leading from the Middle" (Hargreaves & Shirley, 2020) kennenlernen und systematisch nachzeichnen. 

2023

  • TransLex: Anschubfinanzierung Transformation & Recht im Bildungssystem


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. Oktober 2023 - 31. Dezember 2023
    Acronym: TransLex
    Funding source: andere Förderorganisation
  • RebP-SL: Berufung oder Beauftragung - Empirische Studie zur Rekrutierung und berufsbegleitenden Professionalisierung von Schulleitungen an Schulen in sozialräumlich benachteiligter Lage.


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader: ,
    Term: 1. Dezember 2023 - 31. Juli 2026
    Acronym: RebP-SL
    Funding source: Stiftungen
    URL: https://www.wuebben-stiftung-bildung.org/innovationsfonds_2023/
  • KoopCom: Datengestützte Kommunikations- und Kooperationsentwicklung an der Schnittstelle von Schule, Aufsicht und Evaluation. Designbasierte Entwicklung von Gesprächsformaten zur Unterstützung der Schul(system)entwicklung (KoopCom)


    (Drittmittelfinanzierte Gruppenförderung – Teilprojekt)
    Overall project: Digital Leadership & Kommunikations- und Kooperationsentwicklung
    Project leader:
    Term: 1. August 2023 - 31. März 2026
    Acronym: KoopCom
    Funding source: BMFTR / Verbundprojekt
    URL: https://www.leadcom.digital/

    Die Rückmeldungen von Evaluationsdaten und die Auseinandersetzung mit dieser Rückmeldung an den Schulen mündetvielfach nicht in die gewünschten Entwicklungs- und Veränderungsprozesse (vgl.z.B. Malin et al 2020, Schmidt 2020, Zala-Mezö, Häbig & Bremm 2021). In deraktuellen Forschung wird u.a. auf Aspekte der Akteurs-Konstellation undKooperation verwiesen, die Hinweise darauf geben können, wie die Gestaltung vonKommunikations- und Kooperationssettings an der Schnittstelle der Akteur*innen demMangel an Wirksamkeit begegnen könnte. Insbesondere folgende Aspekte derInteraktion zwischen den Akteur*innen aus Schule, Aufsicht undEvaluation werden als unklar oder spannungsreich beschrieben:

    ·       Komplexität der Strukturen,Asymmetrische Beziehungen, Zuschreibungen sowie fehlendes Alignment derAkteur*innen (vgl. Diedrich 2020) und eine fehlende gemeinsame Vorstellung vonSteuerung (Berkemeyer 2020).

    ·       Unaufgelöste Spannungen bzw.„dilemmatische Verhältnisse“ aufgrund individueller Spannungen zwischenSubjekten und Umwelt (Kallenbach 2023) und unausgesprochenePerspektivdifferenzen zwischen den Akteur*innen, die in Rückmeldesituationennicht bearbeitet werden und Wirksamkeit im Bereich des Möglichen belassen (vgl.Schmidt 2020).

    Die Forschung im Rahmen des Projekts setztbei der Frage nach gelingender datenbasierter Schulentwicklungsberatung sowie beider Gestaltung von Kommunikation und Zusammenarbeit unter Berücksichtigung vonorganisationskulturellen und relationalen Aspekten an.

    In einer Wissenschaft-Praxis-Partnerschaft mit Akteurinnen aus Bildungsadministration, Evaluation, Schulleitungen, Lehrkräften sowie Vertreter*innen des Ganztags und des Landesinstituts wird ein partizipatives Gesprächssetting zur datenbasierten Schulentwicklung designt und erprobt.

    In dieser Kooperation soll die Kommunikation zwischen Vertreter*innen aus Schule, Ganztag, Aufsicht und Unterstützungssystem weiterentwickelt und verbessert werden. Diegenannten Akteur*innen entwickeln gemeinsam neue Settings für Evaluation-Rückmeldungen, die im Rahmen des Projekts als Prototypen erprobt und weiterverbessert werden. Alle Prozessschritte und Reflexionsschleifen werden von einer gemeinsamen Steuergruppe geplant und adaptiert.

    Im Zentrum des Projekts stehenDesign-Thinking-Workshops (vgl. Brown 2008, Mintrop 2016). Diese co-kreativeMethode bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit der Stakeholder und diezentrale Intervention. Der Focus liegt auf der Prozessgestaltung und denProzessdynamiken. Die Dokumentation des Prozesses und ihre wissenschaftlicheAuswertung (Dokumentarische Methode, vgl. Bohnsack 2007, Zala-Mezö, Häbig,& Bremm 2021), soll zum besseren Verständnis der Kommunikationsprozesserund um die Datenrückmeldung als Ausgangspunkt für Schulentwicklung beitragen. Dieentscheidenden Hebelpunkte in der Steuerung der Schul(system)entwicklung sollenidentifiziert und sichtbar gemacht werden, um sie bewussternutzen zu können.

    Die Wissenschaft-Praxis-Partnerschaft versucht durch dasAushandlungssetting, das im Projekt bereitgestellt wird, sowie durch den Fokusauf Gesprächssettings zur Schulentwicklungssteuerung, Praktiken zuidentifizieren, die Resonanz, Aktion und Wirksamkeit ermöglichen. DasPrototyping von Gesprächssettings erlaubt es, konkrete Lösungen zu erproben.Damit würde ein Beitrag zum gemeinsamen Alignment geleistet und einOrientierungsrahmen für Schulleitungen geschaffen, der durch eine konkreteAushandlungspraxis zwischen den Akteuren begründet ist. 

  • LeadCom: Digital Leadership & Kommunikations- und Kooperationsentwicklung


    (Drittmittelfinanzierte Gruppenförderung – Gesamtprojekt)
    Project leader: , , , ,
    Term: 1. August 2023 - 31. März 2026
    Acronym: LeadCom
    Funding source: BMFTR / Verbundprojekt
  • TransLex: Transformation & Recht im Bildungssystem


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. Oktober 2023 - 30. September 2025
    Acronym: TransLex
    Funding source: andere Förderorganisation

    Das Potenzial von Recht für Bildungstransformationen wird in der empirischen Bildungsforschung bislang wenig genutzt (z. B. Reuter, 2018). Allerdings ist das Wissen um rechtliche Gestaltungsspielräume wichtig, damit Akteur*innen mit formaler Macht (von Ameln, 2013) Spielräume identifizieren und nutzen können (für Lehrkräfte s. Hugo, 2025). Nur so lassen sich pädagogisch-professionelle Entscheidungen treffen, ohne dabei einerseits rechtliche Grenzen zu überschreiten, oder andererseits rechtliche Handlungsspielräume ungenutzt zu lassen, die für gelingende Transformationen erforderlich sind. 

    Diese Leerstelle adressiert das von der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft (MJG) geförderte und an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU)Erlangen-Nürnberg verortete Projekt TransLex in zwei Modulen. 


    Modul I: Rechtliche Perspektive 

    Im ersten Modul geht es um die Analyse der rechtlichen Perspektive: Im Rahmen eines Rechtsreviews werden zentrale rechtlicheRegelungen für Entscheidungsträger*innen in zwei Bundesländern (HH und NW) identifiziert. Diesewerden im Hinblick aufderen Aufgabenprofil sowie den darin verankerten rechtlichen ‚Auftrag‘ zur Innovation ausgewertet. 

    Daher lautet Forschungsfrage I.1: 

    ·      F.I.1 Welche rechtlichen Aufgabenprofile haben die an Bildungstransformationen beteiligten Akteur*innengruppen mit formaler Macht (staatlicher/kommunaler Schulträger, Schulaufsicht (inkl. Ministerium), Schulleitung)?  

    Allerdings sind die Akteur*innengruppen imMehrebenensystem Bildung angesiedelt. Daher fragt Forschungsfrage 2: 

    ·      F.I.2 Welche Interdependenzen ergeben sich zwischen den einzelnen Akteur*innengruppen?

    Darauf basierend widmet sichForschungsfrage 3 dem rechtlichen ‚Auftrag‘ zur Innovation: 

    ·      F.I.3 Welche rechtlichen Gestaltungsspielräume ergeben sich i. S. e. rechtlichen ‚Auftrags‘ zur Innovation innerhalb der Aufgabenprofile je Akteur*innengruppe? 

    Dabei wird aufgrund des in Art. 7 Abs. 1 GG verankerten staatlichen Bildungs- undErziehungsauftrags der Fokus auf das allgemeinbildende staatliche Schulsystemgelegt. 

  • SLQBD: Wissenschaftliche Begleitung: Kooperationsprojekt "Schulleitungsqualifizierung Bildung Digitalisierung"


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader: , , ,
    Term: 1. November 2023 - 30. Juni 2025
    Acronym: SLQBD
    Funding source: andere Förderorganisation
    Das Forschungsprojekt umfasst die wissenschaftliche Begleitung der vom Forum Bildung Digitalisierung in Kooperation mit der Dieter Schwarz Stiftung, der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) sowie der Wübben-Stiftung Bildung entwickelten Train-the-Trainer-Ausbildung “Schulleitungsqualifizierung BD” (kurz SLQBD), an der Mitarbeiter:innen aus neun Landesinstituten bzw. Kultusbehörden teilgenommen haben. Diese setzen die Qualifizierung ab dem Schuljahr 2023/24 in ihrem jeweiligen Bundesland um.

    Ziel der wissenschaftlichen Begleitforschung ist es erstens den dem Projekt Schulleitungsqualifizierung BD zugrundeliegenden Transferbegriff vor dem Hintergrund des aktuellen Fachdiskurses zu reflektieren (Theorieperspektive), zweitens die Motivlage zur Teilnahme sowie die Akzeptanz und Rezeption der Modulreihe auf Ebene der Landesinstitute (Prozessperspektive) nachzuzeichnen sowie drittens die Zufriedenheit der teilnehmenden Schulleiter:innen der ersten Kohorte (2023/2024; Ergebnisperspektive) zu erheben.
  • Wissenschaftliche Prozessbegleitung Schulleitungsqualifizierung BD


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. November 2023 - 30. April 2025
    Funding source: andere Förderorganisation

2022

  • Designbasierte Schulentwicklung an Berliner Schulen.


    (Drittmittelfinanzierte Einzelförderung)
    Project leader:
    Term: 1. Oktober 2022 - 30. Juni 2024
    Funding source: Robert Bosch Stiftung GmbH
    URL: https://www.berlin.de/sen/bildung/unterricht/schulqualitaet/designbasierte-schulentwicklung/

    Design-basierte Schulentwicklung ist ein Ansatz, der sich besonders in Schulen bewährt hat, in denen die Betroffenen mit scheinbar unlösbaren Problemen konfrontiert sind. Das Forschungsprojekt bringt Schulkollegien, Schulleitungen, Schulaufsicht und Schulentwicklungsbegleitung zusammen, um dieses komplexe Verfahren unter wissenschaftlicher Begleitung in die Praxis umzusetzen.

    „Design-basierte Schulentwicklung“ ist ein Verfahren der Organisationsentwicklung, das auf alle Schulen anwendbar ist. Es hat sich besonders in Bildungsorganisationen bewährt, in denen die Betroffenen mit Problemen konfrontiert sind, die sie als überwältigend und unlösbar wahrnehmen. Hierzu zählen Schwierigkeiten, herkunftsbedingte kulturelle Unterschiede in der Schülerschaft und zwischen der Schüler- und Lehrerschaft zu überbrücken. Ein weiteres Beispiel sind Probleme, den Unterricht differenziert, lebensweltorientiert und kognitiv aktivierend zu gestalten, um einer breiten Leistungsspanne gerecht zu werden und die Motivation für das Lernen bei Schülerinnen und Schülern zu wecken und aufrecht zu erhalten.

    Das Verfahren hat das Ziel, im Schulkollegium eine kollektive Wirksamkeit zu schaffen oder wiederherzustellen, die oftmals – zum Beispiel aufgrund von Problemen im Unterricht, im Sozialverhalten von Schülerinnen und Schülern und in der Zusammenarbeit im Kollegium – verloren gegangen und durch eine negative und oft sogar toxische Schulkultur ersetzt wurde. Gerade in Situationen, in denen die vielen Probleme dem Kollegium scheinbar über den Kopf wachsen, sind kleine, schnell erzielbare Erfolge besonders wichtig. Durch das gemeinsame Erreichen realistischer, klarer Ziele wird die eigene Wirksamkeit konkret erfahrbar gemacht und neue Hoffnung entsteht.

    Design-basierte Schulentwicklung erfordert Problemlösekompetenzen in den Schulen, die von aussen begleitet und unterstützt werden müssen. Das Forschungsprojekt bringt Schulkollegien, Schulleitungen, Schulaufsicht und Schulentwicklungsbegleitung zusammen, um gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von «Research-Practice- Partnerships» dieses komplexe Verfahren umzusetzen. Das Projekt geht erstmals systematisch und wissenschaftlich begleitet der Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen sich dieser im anglo-amerikanischen Raum gegenwärtig äusserst populäre Ansatz der design-basierten Schulentwicklung auch im deutschsprachigen Kontext gewinnbringend einsetzen lässt.

  • Promotionsprojekt: Handlungskoordination als Relationierung im Schulsystem - Rekonstruktionen zur Sinnstruktur von Schulaufsicht, Schulträger & Schulleitung am Beispiel der pandemie-induzierten Digitalisierung [Arbeitstitel]


    (Projekt aus Eigenmitteln)

    Das Promotionsprojekt geht am Beispiel pandemie-induzierter Digitalisierungsprozesse der Frage nach, wie Transformationserwartungen an das Schulsystem im Zusammenhandeln von Schulleitung und Schulverwaltung bearbeitet werden. Es geht im Kern darum, Interaktionen zwischen Schulleitung und Schulverwaltung im schulischen Mehrebenensystem zu rekonstruieren und darüber schulsystemische Veränderungsprozesse zu verstehen. Dazu werden Modi des Zusammenhandelns der ebenenspezifischen Akteure in den Blick genommen.

    In jahrzehntelangen Reformversuchen wird wiederholend die Frage nach der Steuerbarkeit des Schulsystems aufgeworfen. In einer neo-institutionalistischen Perspektivierung des Schulsystems wird von einer Wechselbeziehung zwischen den Akteuren ausgegangen, welche trotz wechselseitiger Abhängigkeiten von Autonomie geprägt sei. Im Rahmen dieser Governanceforschung blieben bisher insbesondere die Übersetzungsleistungen der Akteure von Implementations- und Veränderungsprozessen auf den unterschiedlichen Ebenen unbestimmt. Auf den Ebenen finden jedoch eigenlogische Anpassungen der Akteure statt (vgl. Dietrich, 2018), die es zu verstehen gilt, um den Umgang mit Transformationsanforderungen besser verstehen zu können.

    Im Promotionsprojekt wird das Zusammenhandeln von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulträger untersucht, weil dieses für den Umgang mit Transformationserwartungen relevant ist. Die akteurspezifischen Übersetzungen werden bisher als "Rekontextualisierung (Fend 2009) oder Nacherfinden (Kussau 2007) gefasst, um zu beschreiben, dass meist bildungspolitische Transformationserwartungen nicht „durchregiert“ werden können, sondern auf allen Ebenen eigenlogische Anpassungen der Akteure sichtbar werden (Bsp. Dietrich 2018). Fluchtpunkt des Vorhabens ist die Konkretisierung der governanceanalytisch zentralen Figur der Relationierung von Akteuren im schulischen Mehrebenensystem.

    Die empirische Basis bilden Gespräche zwischen Schulleiter:innen, Schulaufsichtsdezernent:innen und Verwaltungsangestellten des Schulträgers. Diese werden Mithilfe der objektiven Hermeneutik (Oevermann 2000) rekonstruiert, um die Modi der Relationierung der Akteure empirisch zu erschließen. Dabei werden Modi, wie die Akteure miteinander über transformative Erwartungen sprechen, von Interaktionen zwischen Schulleitung, Schulaufsicht und Schulträger am Beispiel von Digitalisierungsprozessen der Schule herausgearbeitet. Die methodische Herangehensweise der Objektiven Hermeneutik (Oevermann, 2000; Wernet, 2009) ermöglicht es, die wechselseitigen Relationierungen und Positionierungen im Zusammenwirken der benannten Akteure sowie deren Modus zu rekonstruieren. Die Promotionsvorhaben will Wissen über die Sinnstruktur des Zusammenhandelns im Schulsystem generieren und Strukturprobleme der Handlungskoordination der Akteure im Schulsystem offenlegen.

  • Projekt „Designbasierte Schulentwicklung (DBSE)“ in Berlin. Gemeinsam mit Prof. Dr. Rick Mintrop (UC Berkeley) Laufzeit 2019-2024. Gefördert durch die Robert-Bosch-Stiftung und den Berliner Senat.
  • Wissenschaftliche Begleitung Koordinierungsgruppe Lernen im Ganztag (LiGa) NRW. Laufzeit 2019-2024. Gefördert durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung
  • What Makes Effective Area-Based Reform in Education? Gemeinsam mit Prof. Dr. Chris Brown (University Durham) und Prof. Dr. Pierre Tulowitzki (PH Ludwigsburg/ PH FHNW) Laufzeit 2019-2021. Gefördert durch die Robert-Bosch-Stiftung.
  • Kulturelle Bildung und Inklusion in der Schule. Evaluation. Gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer (Universität Siegen). Laufzeit 2018-2021. Gefördert durch die Stiftung Mercator.
  • Digitale Schulentwicklung in Netzwerken. Gelingensbedingungen schulübergreifender Kooperation bei der digitalen Transformation“ (DigiSchulNet). Gemeinsam mit Prof. Dr. Isabell van Ackeren, Prof. Dr. Michael Kerres und Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer. Gefördert durch das BMBF. Laufzeit 2019-2021.
  • GEMS-E II. Rekonstruktive Governanceforschung in der Schul-und Unterrichtsentwicklung. Gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Racherbäumer (Universität Siegen). Gefördert durch den Berliner Senat. Laufzeit 2018-2019.
  • Wissenschaftliche Begleitung Fortbildungsprogramm Interkulturelle Schulentwicklung – Demokratie gestalten. Gefördert durch das Ministerium für Bildung NRW & Pädagogisches Landesinstitut QUA-LiS NRW. Laufzeit 2019-2021.
  • Exploring effective area-based reform in disadvantaged districts in California and Nevada. Gemeinsam mit Prof. Dr. Chris Brown (Durham University). Laufzeit 2018-2019. Gefördert durch das Interdisziplinäre Zentrum für Bildungsforschung der Universität Duisburg-Essen.
  • Using achievements from video games to support learning. Gemeinsam mit Prof. Dr. Chris Brown (Durham University) und Prof. Dr. Pierre Tulowitzki (FHNW). Gefördert durch das Research and Innovation Funding. University of Portsmouth. Laufzeit 2018-2019.
  • Potenziale entwickeln – Schulen stärken II. Kooperationsprojekt der AG BiFo der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Isabell van Ackeren) und dem Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund (Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels). Gefördert durch die Stiftung Mercator. Laufzeit 2017-2019.
  • Potenziale entwickeln – Schulen stärken. Kooperationsprojekt der AG BiFo der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Isabell van Ackeren) und dem Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund (Prof. Dr. Heinz Günter Holtappels). Gefördert von der Stiftung Mercator. Laufzeit 2014-2017.
  • Interkulturelles Schülerseminar. Mentoring für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund durch Studierende der Lehrämter. Universität Hamburg (Prof. Dr. Ursula Neumann). Gefördert durch die Behörde für Schule und Berufsbildung der Stadt Hamburg. Laufzeit 2005-2016.
  • Deutschkenntnisse am Übergang vom Kindergarten in die Grundschule. Universität Hamburg (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ingrid Gogolin). Gefördert durch die Stadt Linz/Österreich. Laufzeit 2012-2013.
  • GIM. Ganztagsschulen und Integrationsprozesse von Migranten. Kooperationsprojekt der Universität Hamburg (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ingrid Gogolin) und der Universität Würzburg (Prof. Dr. Heinz Reinders). Gefördert durch das BMBF. Laufzeit 2008-2012.
  • Where Immigrant students succeed – A comparative review of performance and engagement in PISA 2003. OECD-Report unter der Leitung von Petra Stanat (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin) & Gayle Christensen (Stanford University). Laufzeit 2006-2007.

Laufende Promotionsvorhaben am Lehrstuhl

Potentiale offener und kollaborativer Gesprächssettings an der Schnittstelle von Schule, Administration und Inspektion (Arbeitstitel)

Kontakt: Iris Geigle

Erstbetreuung: Prof.in Dr.in Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg)

Zweitbetreuung: Prof. Dr. Matthias Martens (Universität zu Köln)

Insgesamt kann die Wirksamkeit der evidenzbasierten Schulentwicklung, die seit Anfang der 2000er Jahren in Deutschland etabliert wurde, wissenschaftlich nicht belegt werden (vgl. z.B. Malin et al 2020, Schmidt 2020, Zala-Mezö, Häbig & Bremm 2021). Die neuen Steuerungskonzepte wurden nach dem PISA-Schock 2001 rasch eingeführt und vielfach gesetzlich verankert (Altrichter, Maag Merki 2010). Ihnen zugrunde liegt eine eher mechanistische Vorstellung von Steuerung (vgl. Organisationslogiken bei Laloux 2015). Die beschrittenen Lösungswege sind vielfach Anleihen aus anderen – vermeintlich erfolgreicheren – Bereichen oder Staaten (Problematik des Policy Borrowing, vgl. Steiner Khamsi 2021). Die mangelnde Wirksamkeit der „Neuen Steuerung“ in der Bildung verweist auf Leerstellen innerhalb der Steuerungskonzepte, für die noch keine passenden Antworten gefunden werden konnten.

Die Forschung im Rahmen des Promotionsvorhabens von Iris Geigle setzt bei der Frage nach gelingender datenbasierter Schulentwicklungsberatung sowie bei der Gestaltung von Kommunikation und Zusammenarbeit unter Berücksichtigung von organisationskulturellen und relationalen Aspekten an. In einer Research Practice Partnership (RPP) mit Expertinnen aus Schulpraxis, Begleit- und Unterstützungssystem werden in einem Design-Thinking-Prozess Gesprächsformate zur gemeinsamen Erörterung von Schulevaluationsdaten entwickelt. Das co-kreative, partizipative und iterative Projektsetting ermöglicht es, mit den die Akteurinnen evolutionäre und distributive Praktiken direkt zu erproben. Das neue Gesprächssetting, das mit den Akteurinnen selbst kreiert wird, soll an zentralen Schnittstellen der datenbasierten Schulentwicklungsberatung wirksame Aushandlungsprozesse ermöglichen.

Arbeitstitel: Schulentwicklungsberatung im Kontext konstitutiver Spannungsfelder und spezifischer Anforderungen designbasierter Schulentwicklung: Beiträge zur professionstheoretischen Konturierung eines zentralen Akteurs des Unterstützungssystems.

Kontakt: Nils Reubke (FAU Erlangen-Nürnberg)

Erstbetreuung: Prof.in Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg)

Kontakt: Sebastian Hösch (FAU Erlangen-Nürnberg)

Erstbetreuung: Prof.in Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg)

Bildungsgerechtigkeit gehört zu den Leitbegriffen bildungspolitischer Reformprogramme, bleibt in seiner konkreten Bedeutung jedoch unterbestimmt (vgl. Dietrich, Heinrich & Thieme 2013). Zugleich wird soziale Ungleichheit seit den 2000er Jahren zunehmend datenbasiert bearbeitet. Sie wird über Indikatoren erfasst, klassifiziert und in Steuerungsinstrumente übersetzt (vgl. Groot-Wilken, Isaac & Schräpler 2016; Williamson 2019). Damit verlagert sich die Frage, was als legitimer Gerechtigkeitsanspruch gilt, von der politischen in die administrative Sphäre. Diese Bewegung wird durch die kritische Governance-Forschung als Ökonomisierung und Entpolitisierung beschrieben (vgl. Heinrich 2010; Bellmann & Müller 2011; Biesta 2016). Welche Gerechtigkeitsvorstellungen sich in solchen Instrumenten tatsächlich durchsetzen und welche in ihnen unbearbeitet bleiben, soll Gegenstand des Promotionsvorhabens sein.

Die Forschung dazu setzt an dieser Leerstelle an. Am Beispiel des Startchancen-Programms wird rekonstruiert, wie ein programmatisch gesetzter Gerechtigkeitsanspruch bearbeitet wird, während er das schulische Mehrebenensystem durchläuft. Von seiner Übersetzung in Steuerungsinstrumente über die Aushandlung in administrativen Zusammenhängen bis in die pädagogische Praxis. Als analytischer Rahmen dient Nancy Frasers Unterscheidung von Umverteilung, Anerkennung und Repräsentation (vgl. Fraser 1995; Fraser & Honneth 2003), die es erlaubt, unterschiedliche Dimensionen von Gerechtigkeit auseinanderzuhalten und nach deren jeweiliger Bearbeitung zu fragen. Das kumulative Vorhaben verbindet dokumentenanalytische und rekonstruktive Zugänge und schließt eine methodologische Reflexion darüber ein, welchen welche Voraussetzungen eine Governance-Perspektive auf Bildungsprogramme macht und welche Dimensionen des Pädagogischen sie dabei systematisch nicht in den Blick nehmen kann. Ziel ist es, sichtbar zu machen, an welchen Stellen Gerechtigkeitsansprüche verschoben, verengt oder eingelöst werden, und welche Dimensionen dabei strukturell aus dem Blick geraten.

Kontakt: Gerit Großmann-Thomas

Erstbetreuung: Prof.in Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg)

Kontakt: Charlotte Assmann

Erstbetreuung: Prof.in Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg)

(Projekt aus Eigenmitteln)
Project leader: Charlotte Assmann
Term: 1. April 2024 – 30. April 2027

Arbeitstitel: Schulaufsicht & Recht. Eine empirische Untersuchung zur Bedeutung rechtlicher Vorgaben für das professionelle Handeln von Schulaufsichtsbeamt*innen als Akteure im Mehrebenensystem Schule

Zweitbetreuungen und Mentorate

  • Katharina Nesseler  (Zweitbetreuung): Handlungskoordination als Relationierung im Schulsystem [Arbeitstitel]
  • Marion Schwehr (Zweitbetreuung): Die Herstellung unterrichtlicher Ordnung in der Kultur der Digitalität. Praxistheoretische Konstruktionen von Körper, Raum, Artefakt und Subjektivierung.
  • Nora Wazinski (Zweitbetreuung): Transfer zwischen Wissenschaft und Bildungspolitik. Eine Diskursanalyse der Verwendungspraxis von Forschungswissen zum Abbau von Bildungsungleichheiten [Arbeitstitel]
  • Ender Yilmazel (Zweitbetreuung): Migrationsbezogene Orientierungen in der deutschen Bildungslandschaft [Arbeitstitel]
  • Annette Becker (Doktoratsmentorat Ariadne – FAU)
  • Dr. Martina Funk (Habilitationsmentorat MPowerment PH Schwäbisch-Gmünd)

Abgeschlossene Promotionen

  • Dr. Inka Achtelik (2023): Herkunft, soziale Identifikation und Studienabbruch – Eine empirische Analyse von Passungsproblemen. (Zweitbetreuung)