Forschung

 

UnJust Universities. Teilprojekt im SFB 1750 „Inclusion Recognition Justice“

Kurzdarstellung des SFB

Der Sonderforschungsbereich 1750 [in:just] – „Inklusion – Anerkennung – Gerechtigkeit. Teilnahme und Teilhabe in Prozessen des Aufwachsens“ untersucht die Bedingungen, unter denen Teilnahme und Teilhabe im Aufwachsen ermöglicht, begrenzt oder verwehrt werden. Im Zentrum steht die Analyse des Verhältnisses von Teilnahme und Teilhabe in Bildungs- und Sozialisationsprozessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der SFB verbindet erziehungswissenschaftliche, soziologische, rechtswissenschaftliche, philosophische, geographische und informationswissenschaftliche Perspektiven, um zu klären, wie gesellschaftliche Ordnungen Teilnahme eröffnen, strukturieren und regulieren und unter welchen Bedingungen daraus Teilhabe als wirksame Zugehörigkeit hervorgeht. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Spannungen zwischen normativen Versprechen, institutionellen Praktiken und subjektiven Erfahrungen.

 

Kurzdarstellung des Teilprojekts UnJustUni

Der Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik ist mit dem Teilprojekt „UnJust Universities“ am Sonderforschungsbereich 1750 „Inclusion Recognition Justice“ beteiligt. Das Teilprojekt beschäftigt sich mit der (De)Institutionalisierung von Diversity, Equity und Inclusion (DEI) an öffentlichen Hochschulen und untersucht dafür sowohl die Programme und Maßnahmen, die im Kontext von DEI implementiert wurden, als auch deren praktische Übersetzung in den Hochschulen aus Perspektive der relevanten Akteur*innen im Feld. Damit geraten Dynamiken der (De)Institutionalisierung von DEI in den Blick, die nach einer Phase ihrer Verstetigung aktuell vermehrt politischem Angriffen ausgesetzt sind. Vergleichend werden hierfür vier öffentliche Universitäten herangezogen – die FAU Erlangen-Nürnberg, die Goethe Universität Frankfurt, die Universität Luxemburg sowie die Pennsylvania State University – die unterschiedliche Grade der Institutionalisierung und Mechanismen der Prozessierung von DEI-bezogener Policies aufweisen.

„UnJust Universities“ verfolgt das Ziel, verschiedene Handlungs- und Entscheidungslogiken, durch die sich DEI an den entsprechenden Hochschulen übersetzt, zu rekonstruieren und im ambivalenten Diskursfeld um akademische Exzellenz und Inklusion zu verorten. Damit trägt das Projekt zur Schärfung der Dialektik von Teilhabe und Teilnahme bei und nimmt überdies neuere Ansätze erziehungswissenschaftlicher (De)Institutionalisierungsforschung auf.

Die Beteiligten des Lehrstuhls für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik sind Prof. Dr. Nicolas Engel (Principal Investigator) und John Spasiano MA (Early Career Researcher). Die Projektlaufzeit endet im Dezember 2029.

Plakat zum Teilprojekt

Prof. Dr. Nicolas Engel

Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik

Bismarckstr. 1a

Raum 2.016

91054 Erlangen

Nicolas.engel@fau.de

 

John Spasiano MA

Lehrstuhl für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Organisationspädagogik

Bismarckstr. 1a

Raum 2.013

91054 Erlangen

John.spasiano@fau.de

Institutionalisierung von Wissen im Wandel. Eine ethnographische Untersuchung von NS-Gedenkstätten als Akteure und Arenen der Wissensbegegnung (INWIWA)

Im Rahmen des DFG-Projekts Institutionalisierung von Wissen im Wandel (InWiWa) werden Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus (NS-Gedenkstätten) als pädagogische Einrichtungen erforscht. Angenommen wird dabei, dass NS-Gedenkstätten eine jeweils spezifische Praxis der historisch-politischen Bildungsarbeit hervorbringen, die sich organisationsgeschichtlich und organisationskulturell unter anderem in der Professionalisierung des Personals, der alltäglichen (Vermittlungs-)Praxis wie auch in der räumlich-materiellen Gestaltung der Einrichtung ausdrückt. Die in der pädagogischen Praxis der NS-Gedenkstätten jeweils eigenlogische Relationierung von Gedenken und Wissensvermittlung steht dabei der affirmativen Annahme entgegen, vorhandenes, räumlich verortetes Wissen sei per se bereits (in einem guten Sinne) wirksam. Mithilfe eines organisationsethnografischen Forschungsdesigns soll folglich die konkrete organisationale und institutionelle Verfasstheit des pädagogischen Umgangs mit historisch-politischem Wissen durch NS-Gedenkstätten untersucht werden. Dabei werden diese als Arenen und Akteure der Wissensbegegnung verstanden, die mit der Aufgabe konfrontiert sind, eine „Erziehung nach Auschwitz unter veränderlichen Bedingungen“ (Andresen et al.) – auch vermittelt über Konflikte und Transformation – zu realisieren.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

https://gepris.dfg.de/gepris/projekt/497134399

Projektlaufzeit: April 2023 bis März 2026

Projektleitung: Prof. Dr. Nicolas Engel

Projektmitarbeiter: Daniel Günther, MA

Bisherige Publikationen: Engel, Nicolas & Bretting, Johannes. (2024). Wozu erinnern?: Kulturwissenschaftliche Annäherungen an eine „Erziehung nach Auschwitz“ in veränderten Konstellationen des Erinnerns. In Zeitschrift für Pädagogik 4/2024, 470-481. Engel, Nicolas. (2024). Lebendige Institutionalisierung. Überlegungen zur Gesellschaftlichkeit von Organisationen am Beispiel der Institutionalisierung von NS-Gedenkstätten. In R. Casale, et al. (Hrsg.), (De)Institutionalisierung von Bildung und Erziehung (S. 325-342). Campus. Bretting, J. (2023): Erinnern als Kritik in NS-Gedenkstätten? Organisationspädagogische Betrachtungen zur Institutionalisierung der Gedenkstättenpädagogik. In: Schröder, C. et al. (Hg.): Organisation und Kritik. Jahrbuch der Sektion Organisationspädagogik. Wiesbaden: Springer VS. Bretting, J. (2023): Gegenwartsbezüge in der Gedenkstättenpädagogik. Die ambivalente Institutionalisierung von NS-Gedenkstätten und die Gegenwart rechter Gewalt. In Bünger, C. et al. (Hrsg.), Jahrbuch für Pädagogik 2022. 30 Jahre und kein Ende der Geschichte (S. 108-120). Weinheim: Beltz.

Bretting, Johannes/Engel, Nicolas (2021): Demokratie organisieren. Zur Rolle und Funktion von NS-Gedenkstätten als Agentinnen gesellschaftlicher Transformation. In: Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik. Engel, Nicolas (2021): Wissensbegegnung. Zur Vermittlung von Wissen unter Bedingungen postglobaler Verunsicherung. In: Thompson, Christiane et al. (Hg.): Erziehungswirklichkeiten in Zeiten von Angst und Verunsicherung.


May Blombach

Institutionalisierung ‚neuer‘ Formen der Arbeitsorganisation. Eine Ethnographie zu Möglichkeiten und Grenzen ‚humaner‘ Arbeitsutopien (Arbeitstitel)

Mein Dissertationsprojekt befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung von Organisationen im Kontext gesellschaftlicher Transformationsdynamiken. Verstanden als Sozialgebilde, müssen Organisation nicht nur auf gesellschaftliche Zustände und Veränderungen eingehen und sich ihnen anpassen, sondern sie gestalten diese selbst aktiv mit (Gesellschaftlichkeit der Organisation, vgl. Türk 1997).

Vor diesem Hintergrund gilt mein Forschungsinteresse aktuellen Veränderungen, welche das Konzept, die Diskurse sowie Praktiken von Arbeit(sorganisation) in westlichen, von Büroarbeit dominierten Arbeitskontexten betreffen. Die ethnographische Feldforschung findet in Wirtschaftsunternehmen statt, die sich im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsdiskurse dadurch hervorheben, dass sie Formen ‚neuer‘ Arbeitsorganisation und Organisationsgestaltung aus dem Selbstverständnis unternehmerischer Verantwortung sowie dem Ideal einer ‚besseren‘, ‚nachhaltigen‘ und ‚zukunftsfähigen‘ Wirtschaft und Gesellschaft heraus anstreben. Mich interessiert, wie sich dabei ‚alte‘ Formen der Arbeitsorganisation deinstitutionalisieren, während sich ‚neue‘ Formen institutionalisieren: Welche Diskurse um ‚neue‘ und ‚humane‘ Arbeit werden unter historisch gewachsenen, kulturellen Bedingungen von den Unternehmen aufgegriffen und verhandelt? Und inwiefern entsprechen sie nicht einfach normativen Vorgaben und gesellschaftlichen Erwartungen, sondern gestalten diese aktiv mit, indem sie sich selbst als Arbeits- und Lernwelten institutionalisieren? Dabei fokussiere ich aus Perspektive pädagogischer Organisationsforschung nicht nur auf organisationale Praxis als organisationales Lernen, sondern frage auch nach den Möglichkeiten und Grenzen einer „effektiven und humanen“ (Göhlich et al. 2014) Organisationsentwicklung.

Johannes Bretting

Konflikte der Institutionalisierung – eine organisationspädagogische Betrachtung von NS-Gedenkstätten als pädagogische Einrichtungen (Arbeitstitel)
Gedenkstätten sind in den letzten 30 Jahren zum zentralen Bestandteil der „kulturellen Grundausstattung“ der Bundesrepublik Deutschland geworden. Dieser Prozess der Institutionalisierung der NS-Gedenkstätten als pädagogische Einrichtungen und die Entwicklung der Gedenkstättenpädagogik als eigenständiges pädagogisches Handlungsfeld wird vor allem über die ‚Authentizität‘ der ehemaligen Tatorte begründet. Was in der erziehungswissenschaftlichen Forschung jedoch bislang keine zentrale Rolle gespielt hat, ist die organisationale Dimension der pädagogischen Arbeit von NS-Gedenkstätten und die damit verbundenen Konflikte der Institutionalisierung. Dies in den Blick zu nehmen, markiert das zentrale Desiderat, welches in meiner Arbeit aus einer organisationspädagogischen Perspektive bearbeitet werden soll, indem danach gefragt wird, wie NS-Gedenkstätten als pädagogische Einrichtungen Konflikte der Institutionalisierung der Gedenkstättenpädagogik organisieren?

Alia Wielens

Dispositive der pluralen Erinnerung zu Gewaltverbrechen des 20. Jahrhunderts in französischen Gedenkstätten (Arbeitstitel)

Angesiedelt an der Goethe Universität Frankfurt

Das Promotionsprojekt forscht ethnografisch zu Praktiken und der Verhandlung pluraler Erinnerungen an französischen Gedenkstätten. Der Fokus liegt auf der Frage, welches Wissen zu den pluralen Erinnerungen an diverse Gewaltverbrechen des 20. Jahrhunderts, die an den Orten verhandelt werden, hergestellt wird. Darunter interessiert das Projekt insbesondere auch die Frage des vergeschlechtlichten Erinnerns aus (gedächtnis-)soziologischer und feministischer Perspektive.

Wie werden bestimmte Narrative und Gedächtnispraktiken konzipiert? Welche Machtverhältnisse lassen sich darin analysieren? Welche Perspektiven werden dargestellt, und welche werden ausgeschlossen?