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Studium

Der Masterstudiengang „Pädagogik“ mit dem Schwerpunkt „Kulturpädagogik“ – ein Überblick

Sehr geehrte Interessentin, sehr geehrter Interessent,

wir freuen uns über Ihr Interesse am Masterstudiengang Pädagogik möchten Ihnen hiermit den Studiengang insbesondere mit dem Schwerpunkt Kulturpädagogik vorstellen. Die nachfolgenden Informationen ersetzen nicht die Studiengangsdokumente, sondern sollen den Grundcharakter des Studiengangprofils Kulturpädagogik zusammenfassend darstellen und seine Hintergründe erläutern.

Aktuell im Blog von Prof. Dr. Benjamin Jörissen: Hintergründe zur Weiterentwicklung des kulturpädagogischen Profils des MA Pädagogik ab dem WS 16/17

Das MA-Profil „Kulturpädagogik“ vermittelt Pädagogik aus einer kulturtheoretischen Perspektive. „Kultur“ ist dabei nicht als elitäre „Hochkultur“ und auch nicht als ethnische Kultur oder Interkultur gemeint, sondern als ein zentraler Aspekt menschlicher Praxis: als das „selbstgesponnene Bedeutungsgewebe“ (so der Ethnologe Clifford Geertz), das es uns ermöglicht, unsere Welt – und uns selbst – als sinnhaft zu erfahren.

Pädagogik als kulturelles Phänomen

Das heißt zum Beispiel:

  • Pädagogische Handlungsformen (wie Erziehen und Unterrichten) sind unmittelbar Teil kultureller Praxis – die sich interkulturell wie auch historisch unterscheidet und sich ständig auch verändert.
  • Bildungsprozesse sind Verortungsprozesse in kulturellen Räumen und Gefügen (zum Beispiel im Bezug auf Identität), sie geschehen auf der Basis der jeweils kulturell bereitstehenden Möglichkeiten des Wahrnehmens, Empfindens und Denkens.

Um zu verstehen, was Pädagogik ist, und um pädagogische Prozesse beurteilen, gestalten und erforschen zu können, müssen deswegen ihre kulturellen Grundlagen verstanden werden. Dieses kulturtheoretische Verständnis stellt eine wesentliche Vertiefung des im Bachelor vermittelten pädagogischen Grundlagenwissens dar, denn es erlaubt eine theoretisch und auch empirisch fundierte grundlegende Orientierung über pädagogische Phänomene.

Kulturelle Bildung

Über Kultur kann man und muss man etwas wissen – vor allem aber erfahren Menschen „Kultur“ sinnlich und ästhetisch, sowohl in ihrem Alltag als auch in den vielen besonderen Situationen, in denen „Kultur“ inszeniert, gezeigt, aufgeführt wird. Kulturelle Bildung geschieht nicht nur ästhetisch, aber ästhetische Bildung ist immer auch kulturelle Bildung. Kulturelle Bildung, die eigene Verortung in kulturellen Räumen und Gefügen, mithin auch Teilhabe und Teilnahme an kulturellen Prozessen, ist ohne ästhetische Bildung ist nicht denkbar.

Performative Pädagogik

Gleichermaßen weisen jedes Lernen, jedes Lehren und Erziehen ästhetische Aspekte auf, die auf unterschiedliche Weise eine oft große Bedeutung haben. Wenn Erziehung ein Zeigegeschehen ist (so Klaus Prange), dann hat jeder Akt des Zeigens auch eine ästhetische, performative Seite. Ästhetische Vollzüge sind mithin für das Erziehen, Lehren und Vermitteln konstitutiv. Pädagogische Professionalität setzt daher ein Bewusstsein für die performativen und ästhetischen Aspekte pädagogischen Handelns voraus.

Sinne und Ästhetik in Entwicklung, Sozialisation und Identitätsfindung

Umgekehrt spielen in der menschlichen Entwicklung und in der persönlichen Entfaltung ästhetische Aspekte auf immer unterschiedliche Weise in jeder Lebensphase eine erhebliche Rolle. Von der frühkindlichen Entfaltung der Sinne über die kindliche Aneignung ästhetischer Kulturtechniken (etwa durch Singen, Malen, Tanzen, Spielen), die jugendliche Teilhabe an peerzentrierten ästhetisierten Jugendkulturen und Identätsangeboten usw. spielt das ästhetische eine zentrale Rolle für Sozialisations- und Bildungsprozesse.

Kulturelle und ästhetische Bildung in globalen Transformationsdynamiken

Unsere globalisierte Gegenwart hat die Bedeutung kultureller und ästhetischer Bildung noch einmal erheblich gesteigert. Mediatisierte Alltagswelten und Digitalisierung stellen für (beinahe) alle Felder der Pädagogik und Kulturpädagogik vielfache Herausforderungen dar. Globalisierungseffekte, die wesentlich durch globale mediale und digitale Netzwerke vorangetrieben werden, bringen das Verhältnis von traditionalen zu globalisierten Lebensweisen und kulturellen Artikulationsformen in erhebliche Spannungsverhältnisse. Wie kann kulturelle Bildung unter Bedingungen kultureller Hybridisierungseffekte, bei teilweise gleichzeitiger Verstärkung der Orientierung an traditionalen Elementen als Gegenreaktion auf Globalisierungseffekte, gestaltend wirken? Dies sind Beispiele für Fragen, die gegenwärtige und zukünftige kulturpädagogische Gestaltungsräume betreffen.


Der Profilschwerpunkt Kulturpädagogik im Kontext des Studiengangs

Allgemeinpädagogische Säule

In der Säule „Vertiefung Allgemeine Pädagogik“ dienen drei Module zur Allgemeinen Pädagogik der Vertiefung bzw. Ergänzung der Inhalte aus dem Bachelorstudium.

Vertieft werden dabei

  1. historische und systematische Kenntnisse,
  2. pragmatische ( = „praxisbezogener“) und empirische ( = „forschungsbezogener“) Kenntnisse, sowie
  3. quantiative und qualitative Methodenkenntnisse und -kompetenzen.

Dies ist, wie man sieht, ein umfassendes Vertiefungsprogramm der Inhalte des Bachelorstudiums. Das übergreifende Ziel liegt des Moduls liegt in der Fähigkeit zur eigenständigen fachlichen Verortung innerhalb der Erziehungswissenschaft. So sollen zentrale Theorien oder Methoden nicht nur „bekannt“ sein, sondern in ihrer Bedeutung innerhalb des Fachdiskurses, aber auch im Hinblick auf kulturelle, gesellschaftliche, (bildungs-) politische Kontexte und Prozesse verstanden werden.

Dies wiederum ist wesentliche Voraussetzung für ein anspruchsvolles Verständnis von Kulturpädagogik. Der Profilschwerpunkt Kulturpädagogik greift deswegen an vielen Stellen auf die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten der allgemeinpädagogischen Säule zurück.

Profilspezifische Säule – Schwerpunkt Kulturpädagogik

Die Säule Kulturpädagogik vermittelt in drei profilspezifischen Modulen zentrale Aspekte kulturpädagogischer Kontexte, Dynamiken und Gestaltungsmöglichkeiten.

Im ersten Semester werden grundlagentheoretische Perspektiven in den Blick genommen, die im zweiten Semester auf konkrete institutionelle und handlungsbezogene Fragen bezogen werden.

Das Ziel dieser ersten beiden Semester liegt darin, ästhetische Bildung und Erziehung im Hinblick auf erziehungswissenschaftliche Fragen und Handlungsfelder in- und außerhalb kulturpädagogischer Arbeitfelder kennenzulernen. Auch hier geht es, wie in der ersten Säule, nicht nur um breite Kenntnis des Feldes, sondern darum, die weiteren Bedeutungskontexte ästhetischer Perpektiven – wie etwa Aspekte des Performativen – für pädagogisches Handeln und erziehungswissenschaftliches Forschen verstehen zu können.

Die erworbenen Kenntnisse werden im dritten Semester in einer die Masterarbeit vorbereitenden gegenstandsbezogenen Forschungsperspektive behandelt, die sich auf ästhetische Artikulationsformen und ihre pädagogischen/bildungstheoretischen Aspekte bezieht. Hierbei kommen zwei zentrale methodische Ansätze  – erstens strukturanalytische und rekonstruktive, zweitens kulturtheoretische und historiographische Analyse –  zur praktischen Anwendung

Säule „Profilspezifische Forschung und Praxis“

Die Säule „Profilspezifische Forschung und Praxis“ dient der durchgehenden Vertiefung professioneller praxisrelevanter Bezüge. Sie ist insbesonere im 2. und 3. Semester eng mit der allgemeinpädagogischen und kulturpädagogischen Säule verschränkt.

  1. Im ersten Semester bietet das Modul „Freie Ergänzungsstudien“ die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung. Im Hinblick auf die aktuellen beruflichen Anforderungen im Bereich der Kulturellen Bildung können hier sehr wertvolle kulturpolitische Kenntnisse erworben werden. So sind wir beispielsweise Stolz darauf, mit Dieter Rossmeissl, Referent für Kultur, Jugend und Freizeit der Stadt Erlangen und langjähriger Kultur- und Bildungspolitiker der Stadt und Region, einen absolut hochkarätigen Dozenten zu haben, der auf regelmäßiger Basis im Studiengang Seminare anbietet.
  2. Im zweiten Semester erfolgt die Felderkundung in (bevorzugt kulturpädagogischen) Einrichtungen in der Metropolregion Erlangen-Fürth-Nürnberg. Die Studierenden stellen zunächst in einigen Sitzungen die relevanten Felder und Einrichtungen vor und erarbeiten sich aktuelle Fragestellungen. Vor Ort stellen LeiterInnen und KulturpädagogInnen unterschiedlichster Einrichtungen – von der Soziokultur bis zum Staatstheater (in wechselnder Auswahl, aber immer mit großer Bandbreite) – den Studierenden ihre Einrichtung  vor und beantworten aufkommende Fragen, die im Seminar zuvor erarbeitet werden.
  3. Im dritten Semester wird ein Forschungspraktikum und ein begleitendes bzw. vorbereitendes Forschungsseminar absolviert. Das Forschungspraktikum im Profilschwerpunkt Kulturpädagogik kann, muss aber nicht unbedingt auf die Einrichtung aus dem Felderkundungspraktikum des zweiten Semesters bezogen sein. Im Interesse eines individuell gestalteten und effizienten Studienverlaufs verfahren wir hier weitgehend flexibel. Beliebte alternative Modelle sind:
    1. Verzahnung von Felderkundungs- und Feldforschungspraktikum in derselben Einrichtung. Dies ist in besonderen Fällen, da viele Einrichtungen längere Praktika verlangen, auch „en bloc“ möglich (300 Stunden), wobei dieser Block dann erst im 3. Semester stattfinden kann (das Felderkundungsseminar wird in jedem Fall im 2. Semester besucht, das Felderkundungspraktikum kann ins dritte Semester verschoben werden).
    2. Felderkundung in einer Einrichtung, Forschungspraktikum am Lehrstuhl. Wir bieten regelmäßig die Möglichkeit an, das Forschungspraktikum in Kleingruppen am Lehrstuhl selbst – als forschender Einrichtung im Feld der Kulturellen Bildung – zu absolvieren. Jüngstes Beispiel hierfür ist eine groß angelegte Evaluation der „Schulplatzmieten“ des Nürnberger Staatstheaters.